Gelegentlich macht die Befürchtung die Runde, Hunde aus dem Mittelmeerraum könnten mediterrane Krankheiten, insbesondere die sogenannte Leishmaniose, im Norden verbreiten.

Deshalb ein klares Wort zum Thema Mittelmeerkrankheiten.

Tatsache ist: seit Jahrzehnten reisen Heerscharen von Urlaubern ans Mittelmeer. Dies hat in all der Zeit nicht zu einer Verbreitung der Leishmaniose im Norden geführt. Wie uns das deutsche Bundesgesundheitsministerium auf Anfrage erklärt, ist nämlich „das Risiko gering, bei einer Reise in die Endemieregionen eine symptomatische Leishmaniose zu erwerben.“ Der Erreger wird durch Sandmücken übertragen, winzige stechende Insekten, die am Mittelmeer gehäuftauftreten. Nördlich der Alpen finden sie sich nur in äußerst geringer Zahl. Zwar gilt es dem Ministerium zufolge als wahrscheinlich, „dass sich mit der globalen Erwärmung die Sandmücke weiter nach Norden ausbreiten wird“. Unter den derzeitigen klimatischen Bedingungen sei aber das Risiko von Infektionen bei Menschen in Deutschland „sehr gering“.

Tatsache ist: zu den Hauptopfern der Sandmücke gehören zwar Hunde, doch obwohl in den vergangenen Jahrzehnten auch zahllose Urlauberhunde ans Mittelmeer und zurück gelangt sind, hat dies bis heute nicht zu einer Verbreitung der Leishmaniose unter Hunden im Norden geführt.

Trotzdem: wir lassen jeden unserer Schützlinge gründlich auf Krankheiten testen. Dies erachtet das Bundesgesundheitsministerium ausdrücklich „als sinnvolle vorbeugende Maßnahme gegen die Etablierung der Infektion in Deutschland“.

Wir wissen nur zu gut: die Leishmaniose kann einen Hund schwer treffen. Zwar ist sie in vielen Fällen wirksam behandelbar, doch im Gegensatz zu anderen Infektionen ist sie nicht heilbar. Das Krankheitsbild ist uneinheitlich, die Symptome sind ebenso unterschiedlich wie die Therapieformen; Ärzte und Wissenschaftler stehen noch immer vor Rätseln. Nicht jeder infizierte Hund erkrankt. Bricht die Krankheit aus, läßt sie sich oft mittels einfacher Allopurinolgaben unterdrücken, vielleicht erfordert sie aber auch eine aufwendige Behandlung.

Wenn Sie vorhaben, Ihren Hund ans Meer mitzunehmen, sollten Sie das Risiko einer Infektion bedenken.

Als bestmöglicher Schutz vor der Krankheit gelten Repellents, insektenabweisende Mittel, die dafür sorgen sollen, daß das Tier gar nicht erst gestochen wird. Sie sind als Spot-On-Präparate oder Halsbänder erhältlich. Lassen Sie sich von Ihrem Tierarzt das geeignetste Mittel empfehlen; stellen Sie dabei aber sicher, daß der Veterinär sich mit der Leishmaniosevorbeugung auskennt (da die Krankheit im Norden nicht verbreitet ist, sind dort nicht alle Tierärzte mit der Materie vertraut).

Die letzte Entscheidung liegt im übrigen bei Ihnen. Am einfachsten und sichersten wäre es, sie ließen Ihren Hund daheim. Muß er mit ans Meer, lassen Sie ihn dort nach Sonnenuntergang bis Sonnenaufgang bitte nicht im Freien schlafen (Sandmücken fliegen schlafende Opfer um diese Zeit an), sichern Sie die Fenster Ihrer Räume mit besonders feinmaschigen Mückennetzen, die überdies mit Repellents eingesprüht sein sollten, und lassen Sie warmleuchtende Lichtquellen ausgeschaltet.